Tagediebe kannte man. Es waren Diejenigen, die den ganzen Tag lang redeten, die Hände in den Taschen hatten oder in den Schoß legten und alle anderen von ihrer Arbeit abhielten. Jahresdiebe kannte keiner, nur gestohlene Jahre, die einem einmal der eine stahl und einmal das andere. Würde man sich von einem Tagedieb Tag um Tag stehlen lassen, man brächte schnell ein Jahr zusammen, aber dazu müsste man sich erst einmal Tag um Tag die Tage von einem Tagedieb stehlen lassen. Weil man aber die Tagediebe kannte, ließ man sich keine Tage von ihnen stehlen, nicht einmal die Tage, die man sich lieber erspart oder geschenkt hätte oder die einem gestohlen bleiben hätten können. Der Krieg stahl einem die Jahre, aber wer war das? Wer den Krieg anschaffte, der einem das Leben nahm, während einem der Tagedieb vielleicht ein paar Stunden kostete, die man dafür sogar gern Zeit haben wollte, bevor man wohin aufbrach, von wo man vielleicht nie wieder zurückkehrte.
Wer aber stahl einem die Jahre, wenn es nicht der Krieg war, samt den Jahreszeiten, die zwar alle da waren, die aber, ausgenommen, dass man im Winter fror und im Sommer schwitzte, genauso gut nicht da sein konnten? Wer war schuld daran, dass man, wenn man eines Tages nach dem Augenaufschlagen feststellte, dass man alt geworden war und alle, die man kannte und wiedererkannte, genauso alt geworden oder nicht mehr anzutreffen waren, wo man sie bisher vorfand? War es wer, der einem das Herz gestohlen hatte, die Hoffnungen, die man sich gemacht hatte, die Wünsche, die Träume, die vergeblich geträumt oder unerfüllt blieben oder nie Wirklichkeit wurden? Wer brachte einem