Die zentrale Frage

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Aus irgendeinem Grund, niemand weiß, woher eine solche Debatte auf einmal kommt und wem sie ein Anliegen sein sollte, trotzdem, auf einmal ist sie da. Vielleicht fragt jemand von außerhalb, warum der Ort eigentlich so heißt, von wem und woher dieser Name stammt, und der oder die, der oder die gefragt wird, hat keine Antwort darauf und fragt ebenfalls wen, der oder die es auch nicht weiß, der oder die genauso wieder wen fragt, der oder die es auch nicht sagen kann und weiter fragt und schon ist die größte Debatte darüber im Gange, wie es dazu gekommen ist, dass „Es vergeht kein Tag“ „Es vergeht kein Tag“ heißt und wie ein Ort überhaupt so heißen kann. Und weil es niemand genau weiß, gibt es hauptsächlich Vermutungen und Gerüchte.

Es sei die Idee des Ortsgründers gewesen, den Ort so zu benennen. Sein eigener Name habe sich nicht angeboten, es hätte ihm nicht gefallen, seinen Namen auch noch als Ortsbezeichnung auf Landkarten zu finden, als sei alles in seinem Ort nur eine Ansammlung seiner eigenen Einrichtungen. „Es vergeht kein Tag“ sei für ihn die ideale Verkörperung des Gründungsmythos für den Ort gewesen. Bevor noch der Tag zu Ende gehe, würden hier Objekte von Beteiligten von überall her in einer nie zuvor gesehenen Dimension wie aus dem Boden gestampft dastehen, auf einem Boden, auf den vorher niemand als außer ihm je einen Schritt gesetzt hätte. Keinen ersten und keinen weiteren. Jetzt natürlich schon, wo alles in einem Ausmaß vorhanden ist, dass sich niemand mehr vorstellen kann, wie es hier einmal ausgesehen hat.

Kann sein, dass den Fantasien keine Grenzen gesetzt sind, den ganz kleinen wie den ganz großen, wie und warum „Es vergeht kein Tag“ zu seinem Namen gekommen ist, viel entscheidender ist aber für „Es vergeht kein Tag“ die Verwirklichung, nicht die Vorstellung.

Aus heutiger Sicht könnte der Ort genauso gut heißen, „Es vergeht kein Tag wie jeder andere“, weil jede der Besonderheiten des Ortes unzählige Kombinationen erlaubt, wie die Tage verlaufen und sich in hier verbrachten ganzen Leben kein einziger Tag wiederholen muss und auch nicht wiederholen wird, selbst, wenn man es noch so sehr möchte. Das macht den Geist von „Es vergeht kein Tag“ aus, es vergeht kein Tag, an dem nicht etwas vollkommen neu ist und anders verläuft, und das ist genau der Grund, warum „Es vergeht kein Tag“ nicht anders heißen konnte und nie anders heißen wird.