Zweierlei Fieber

Von

Das Auftreten und Verschwinden des königlich-melancholischen Fiebers

„Ein königlich-melancholisches Fieber dauert eben so lange, drei Tage“, lautete der immer gleiche, jeden Einwand abweisende Bescheid des hochoberstköniglichen medizinischen Rats, seitdem das dem König vorbehaltene melancholische Fieber zum ersten Mal im Königreich ausgebrochen war, die Frage war lediglich, ob es sich überhaupt um eines handelte. Warum es drei Tage lang anhielt und keinen Tag mehr, wusste man aus einem ganz einfachen Grund, es dauerte drei Tage, bis man den König wiedersah.

Jeder Anflug einer königlichen Schwermütigkeit war schwerwiegender als jede schon lange vorhandene und nicht mehr verschwindende tiefsitzende Schwermütigkeit bei jemand anderem, das fing bereits bei einem Seufzer an, weil es eben eine königliche Schwermut war. Es war ganz genauso wie bei den gewichtigeren Entscheidungen, die von besonderem Gewicht waren, weil sie königliche Entscheidungen waren und die sich dadurch von anderen Entscheidungen unterschieden, weil sie der König treffen musste. Ob sie schwerer waren, weil sie mehr Gewicht hatten oder ob sie mehr Gewicht hatten, weil sie schwerer waren, ließ sich gar nicht so leicht sagen.

Das königliche medizinische Kollegium trat nach seinem morgendlichen kontaktlosen Befund über den aktuellen Gesundheitszustand des Königs wieder auseinander, und es konnte ein weiterer Tag ohne König vergehen, aber kein vierter. Ein königlich-melancholisches Fieber dauerte